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Lexikon

Wellpappe: Aufbau und Wellenarten

Kurz erklärt

Wellpappe ist ein mehrlagiger Papierwerkstoff, bei dem eine gewellte Papierbahn mit glatten Deckenbahnen verklebt wird. Die stehende Welle wirkt als Stützgerüst und nimmt Druckkräfte auf, die auf die Verpackung einwirken. Daraus ergibt sich die Eigenschaft, auf die es im Versand ankommt: bei geringem Eigengewicht stabil und stoßdämpfend.

Drei Lagen
Außendecke, Wellenbahn und Innendecke bei einwelliger Ware

Acht Wellenarten
von der Grafikwelle bis zur Maxiwelle

BC-Welle
die verbreitetste Kombination bei zweiwelliger Wellpappe

Aufbau der Wellpappe

Einwellige Wellpappe besteht aus drei Lagen: der Außendecke, der dazwischen liegenden Wellenbahn und der Innendecke. Das Papier für die Wellenbahn wird mit Riffelwalzen und heißem Wasserdampf in Form gebracht und anschließend auf den Wellenspitzen mit den Decken verklebt. Diese Bauweise leitet Druckkräfte über die stehenden Wellen ab und erklärt die hohe Tragfähigkeit im Verhältnis zum Materialeinsatz.

Bei zweiwelliger Wellpappe kommt eine Zwischendecke hinzu, auf der die zweite Wellenbahn sitzt. Der Schichtaufbau lautet dann Außendecke, erste Wellenbahn, Zwischendecke, zweite Wellenbahn und Innendecke. Dreiwellige Ausführungen ergänzen eine weitere Decke samt Wellenbahn und kommen vor allem bei schweren Transportverpackungen zum Einsatz.

Wellenarten und ihre Höhen

Unterschieden werden die Wellenarten über zwei Kennwerte: die Wellenhöhe, also den Abstand zwischen Wellental und Wellenspitze, und die Wellenteilung, den Abstand zwischen zwei benachbarten Wellenspitzen. Bei der B-Welle liegt die Wellenteilung beispielsweise zwischen 4,8 und 6,5 Millimetern. Die Buchstaben folgen der historischen Reihenfolge ihrer Einführung, weshalb sie keine Rangfolge nach Größe abbilden. Die folgende Übersicht nennt die gängigen Wellenarten mit ihren Höhen:

Welle Bezeichnung Wellenhöhe Typischer Einsatz
K Maxiwelle ab 5,0 mm schwere Industrieverpackungen
A Grobwelle 4,0 bis 5,0 mm stoßempfindliche, leichte Güter
C Mittelwelle 3,1 bis 4,0 mm Standard bei Versandkartons
B Feinwelle 2,2 bis 3,1 mm Faltschachteln, druckfeste Böden
D Feinwelle 1,9 bis 2,2 mm Zwischenformat für flache Verpackungen
E Feinstwelle 1,0 bis 1,9 mm Produktverpackungen mit Druckbild
F Miniwelle 0,6 bis 1,0 mm kleinteilige Verkaufsverpackungen
G Grafikwelle unter 0,6 mm hochwertige Faltschachteln

Grobe Wellen federn Stöße stärker ab, feine Wellen liefern eine glattere Oberfläche für den Druck und bauen weniger auf. Aus dieser Abwägung ergibt sich die Wahl für eine konkrete Verpackung.

Kombinationen bei mehrwelliger Wellpappe

Im zweiwelligen Bereich dominieren die Kombinationen BC, EB und EE. Die BC-Welle verbindet die Druckfestigkeit der Mittelwelle mit der glatteren Oberfläche der Feinwelle und gilt als gängigste Variante für Versandkartons mit höherem Gewicht. Bei dreiwelliger Wellpappe treten Kombinationen wie ACA, BAA, EBC oder BBC auf.

Papiere für Decken und Welle

Die Festigkeit einer Wellpappe hängt neben der Wellenart von den eingesetzten Rohpapieren und ihrer Grammatur ab:

  • Kraftliner: Deckenpapier aus überwiegend frischen Sulfatzellstofffasern, hohe Reißfestigkeit
  • Testliner: Deckenpapier aus aufbereitetem Altpapier mit gestrichener Außenseite
  • Schrenz: graues Altpapier, das vor allem als Innendecke im einfachen Versand dient
  • Fluting: Papier für die Wellenbahn, häufig aus Halbzellstoff oder Altpapier

Die Kombination aus Wellenart und Papierqualität wird über die Wellpappensorte beschrieben. Zwei Kartons mit identischer Wellenart können sich in der Tragfähigkeit deutlich unterscheiden, wenn die Deckenpapiere abweichen.

Einsatzbereiche und Auswahl

Für den Versand entscheidet das Verhältnis aus Gewicht, Inhalt und Transportweg über die passende Ausführung:

  • 1.Leichte Güter bis etwa 10 Kilogramm und kurze Wege: einwellige Kartons mit B- oder C-Welle.
  • 2.Schwere oder stoßempfindliche Sendungen: zweiwellige Kartons mit BC-Welle.
  • 3.Verkaufsverpackungen mit Druckbild: Feinst- oder Miniwelle für eine glatte Oberfläche.
  • 4.Flache Sendungen im Briefformat: Versandtaschen aus Wellpappe mit geringer Bauhöhe.

Wellpappe lässt sich rillen, stanzen und bedrucken und wandert nach Gebrauch über den Altpapierkreislauf zurück in die Produktion. In Deutschland besteht das Wellpappenrohpapier im Schnitt zu rund 80 Prozent aus Altpapier.

Feuchtigkeit als Schwachstelle

Die Festigkeit der Wellpappe beruht auf trockenen Fasern und einer intakten Verklebung. Steigt die Luftfeuchtigkeit, nimmt das Papier Wasser auf, die Wellen verlieren ihre Form und die Stapelfestigkeit sinkt spürbar.

Wichtig: Feuchte Lagerung und direkter Bodenkontakt schwächen Wellpappe dauerhaft. Kartons gehören trocken, auf Paletten und vor Sonneneinstrahlung geschützt gelagert.

Für feuchte Umgebungen gibt es nassfest verleimte Qualitäten und beschichtete Varianten. Eine zusätzliche Umhüllung aus Folie hält Spritzwasser ab, ohne die Recyclingfähigkeit des Kartons zu beeinträchtigen, solange sich beide Materialien trennen lassen.

Passende Verpackungen aus Wellpappe

Die Wahl der Wellenart bestimmt, wie viel Gewicht ein Karton trägt und wie gut er Stöße aufnimmt. Im Sortiment stehen beide Bauarten für unterschiedliche Anforderungen bereit.

Welche Bauform und welche Welle im Einzelfall sinnvoll sind, zeigt der direkte Vergleich der Kartons im Sortiment.

Kartons und Faltschachteln ansehen

Vorteile und Einschränkungen von Wellpappe

Vorteile

Geringes Eigengewicht bei hoher Druckfestigkeit, gute Polsterwirkung durch die stehende Welle, einfache Verarbeitung durch Rillen und Stanzen sowie ein etablierter Recyclingkreislauf.

Einschränkungen

Empfindlich gegenüber Feuchtigkeit, begrenzte Tragfähigkeit bei langer Stapelung und eine sichtbare Wellenstruktur an der Oberfläche, die feine Druckbilder beeinträchtigen kann.

Häufige Fragen zu Wellpappe

Wellpappe besteht aus Papier. Eine gewellte Bahn wird auf den Wellenspitzen mit glatten Deckenbahnen verklebt. Als Deckenpapier dienen meist Kraftliner oder Testliner, für die Wellenbahn kommt Halbzellstoff oder Altpapier zum Einsatz.
Die Buchstaben stehen für eine Wellenart mit fester Wellenhöhe und Wellenteilung. A bezeichnet die Grobwelle mit 4,0 bis 5,0 Millimetern Höhe, C die Mittelwelle mit 3,1 bis 4,0 Millimetern, B die Feinwelle mit 2,2 bis 3,1 Millimetern und E die Feinstwelle mit 1,0 bis 1,9 Millimetern.
Zweiwellige Wellpappe empfiehlt sich bei schwerem Inhalt, langen Transportwegen und beim Stapeln auf Paletten. Die zusätzliche Welle erhöht die Druckfestigkeit und schützt Kanten und Ecken besser.
Vollpappe ist ein massives Material aus verpressten Papierlagen ohne Hohlräume. Wellpappe erreicht ihre Stabilität über die stehende Welle und bleibt dadurch bei gleicher Festigkeit leichter.
Die Tragfähigkeit ergibt sich aus Wellenart, Papierqualität und Kartongröße. Einwellige Kartons decken im Versand üblicherweise Gewichte bis rund 10 Kilogramm ab, zweiwellige Ausführungen tragen ein Vielfaches davon.
Wellpappe gehört zu den etablierten Recyclingmaterialien und wird über die Altpapiersammlung erfasst. Voraussetzung ist, dass Klebeband, Folien und Etiketten weitgehend entfernt werden.