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Lexikon

Kostenlose Retouren – wann erlaubt?

Kurz erklärt

Kostenlose Retouren bezeichnen Rücksendungen bestellter Ware, bei denen der Käufer die Kosten für den Rückversand nicht selbst trägt. Das Rückporto übernimmt in diesen Fällen der Händler. Ob eine Retoure kostenfrei ist, hängt von den Rückgabebedingungen des jeweiligen Online-Shops und vom rechtlichen Rahmen des Widerrufsrechts ab.

14 Tage Widerruf
gesetzliche Frist

§ 357 BGB
regelt die Rücksendekosten

Unbenutzt & original
üblicher Rückgabezustand

Wann eine Retoure kostenlos ist

Eine Rücksendung kann aus mehreren Gründen kostenfrei sein. Maßgeblich sind freiwillige Zusagen des Händlers sowie gesetzliche Regelungen zum Widerruf und zur Gewährleistung. Drei Konstellationen führen typischerweise zu einer kostenfreien Retoure:

  • Freiwillige Übernahme: Viele Online-Händler übernehmen das Rückporto als Service, um die Kaufentscheidung zu erleichtern. Bei großen Einzelhändlern wie Amazon gehört die kostenlose Rücksendung zum üblichen Angebot.
  • Fehlende Belehrung: Wurde der Kunde vor dem Kauf nicht korrekt darüber informiert, dass er die Rücksendekosten trägt, fallen diese Kosten dem Händler zu.
  • Mangelhafte oder falsche Ware: Liegt ein Sachmangel vor oder wurde ein falscher Artikel geliefert, trägt der Verkäufer im Rahmen der Gewährleistung die Kosten der Rücksendung.

Widerrufsrecht und Rücksendekosten

Beim Online-Kauf gilt für Verbraucher in der EU ein Widerrufsrecht von 14 Tagen ab Erhalt der Ware. Innerhalb dieser Frist lässt sich der Kaufvertrag widerrufen und die Bestellung zurücksenden. Das Widerrufsrecht regelt den Anspruch auf Rückgabe; die Frage der Rücksendekosten ist davon getrennt geregelt.

Seit dem 13. Juni 2014 dürfen Online-Händler die unmittelbaren Kosten der Rücksendung dem Kunden auferlegen. Voraussetzung ist eine klare Information in der Widerrufsbelehrung vor Vertragsschluss (§ 357 BGB). Versäumt der Händler diese Belehrung, trägt er die Rücksendekosten. Eine gesetzliche Pflicht zur generellen Übernahme des Rückportos besteht für Shops nicht. Für einen Wertverlust haftet der Käufer nur, wenn die Ware über die zur Prüfung notwendige Handhabung hinaus genutzt wurde. Nach Eingang der Retoure erstattet der Händler den Kaufpreis über den ursprünglichen Zahlungsweg.

Voraussetzungen für eine kostenfreie Rücksendung

Damit eine Retoure anerkannt und kostenfrei abgewickelt wird, gelten bei den meisten Webshops einheitliche Anforderungen an Zustand und Anmeldung der Ware:

  • Rücksendung innerhalb der Widerrufsfrist von 14 Tagen oder einer freiwillig verlängerten Rückgabefrist, die häufig 30 bis 100 Tage beträgt.
  • Artikel in der Regel ungetragen, unbenutzt und in der Originalverpackung.
  • Anmeldung der Retoure über das Retourenportal des Shops und Nutzung des bereitgestellten Retourenscheins oder Rücksendeetiketts.
  • Vollständiges Zubehör sowie beigelegte Unterlagen wie Rechnung oder Retourenanmeldung.

Fehlt eines dieser Kriterien, kann der Händler die kostenfreie Abwicklung verweigern oder einen Wertersatz einbehalten.

Widerruf, Umtausch und freiwillige Rückgabe

Die kostenfreie Rücksendung im Rahmen des Widerrufsrechts unterscheidet sich von freiwilligen Rückgabeangeboten der Händler. Das gesetzliche Widerrufsrecht gilt für im Fernabsatz geschlossene Verträge, also für Bestellungen in Online-Shops, und erlaubt die Rückgabe ohne Angabe von Gründen innerhalb von 14 Tagen. Ein Umtausch im stationären Handel beruht dagegen auf der Kulanz des Geschäfts, da hier kein gesetzliches Widerrufsrecht greift.

Wichtig: Eine gesetzliche Pflicht zur Übernahme des Rückportos besteht nicht. Ob eine Retoure kostenfrei ist, ergibt sich aus den Rückgabebedingungen des Shops und der Widerrufsbelehrung.

Viele Webshops verbinden beide Wege: Sie räumen über die gesetzliche Frist hinaus großzügige Rückgabefristen ein und übernehmen das Rückporto, um den Online-Kauf attraktiver zu gestalten. Für Kundinnen und Kunden lohnt ein Blick in die Rückgabebedingungen, da sich Fristen, Kostenregelung und der vorgesehene Retourenprozess je nach Anbieter unterscheiden.

Bedeutung im Online-Handel

Kostenlose Retouren prägen das Kaufverhalten im E-Commerce. Sie wirken auf die Kaufentscheidung der Kundinnen und Kunden und beeinflussen zugleich die Rentabilität der Online-Händler. Rund 84 % der Kunden prüfen die Rückgabebedingungen vor dem Kauf, und etwa 75 % betrachten ein kostenfreies Rückgaberecht als Entscheidungskriterium. Etwa 86 % bestellen eher erneut bei einem Händler, der Rücksendungen kostenlos anbietet. Bei den großen Onlineshops Deutschlands gehört der kostenfreie Rückversand inzwischen zum Standard.

Dem Vorteil bei der Kaufentscheidung steht der Aufwand im Retourenprozess gegenüber. Eine einzelne Rücksendung verursacht je nach Warenwert mehrere Euro für Bearbeitung, Versand und Prüfung der Ware. Ein erheblicher Teil der Online-Bestellungen wird zurückgeschickt; je nach Branche reicht die Retourenquote von etwa jeder vierten bis zu jeder zweiten Sendung, besonders im Mode- und Bekleidungsbereich. Klar formulierte Rückgabebedingungen und ein einfacher Retourenprozess helfen, unnötige Rücksendungen zu senken.

Ablauf einer kostenlosen Rücksendung

Der Weg einer Retoure ähnelt sich bei den meisten Paketdiensten und Online-Shops. Nach der Anmeldung im Retourenportal stellt der Händler einen Retourenschein oder ein Rücksendeetikett bereit:

  • 1.Retoure im Portal des Shops anmelden und den Grund der Rücksendung angeben.
  • 2.Retourenschein oder Rücksendeetikett herunterladen; ohne eigenen Drucker lässt sich häufig ein QR-Code für die papierlose Abgabe im Paketshop nutzen. Eine Hilfe zum Erzeugen des Etiketts bietet der Beitrag DHL Retourenlabel erstellen.
  • 3.Ware in einem stabilen Karton verpacken, der zu Größe und Gewicht des Inhalts passt; alte Labels vorher entfernen und das frankierte Etikett gut sichtbar aufkleben.
  • 4.Sendung bei einer Annahmestelle abgeben; über Hermes lässt sich die Marke vorab als Hermes-Paketschein lösen.

Einen Überblick über Versandpreise gibt die DPD Porto Übersicht; für Rücksendungen aus dem Ausland gelten eigene Regeln, die der Beitrag DHL Retoure international erläutert.

Passende Verpackungen für die Rücksendung

Für eine Retoure eignet sich häufig die Originalverpackung. Ist sie beschädigt oder nicht mehr vorhanden, schützt eine stabile Versandverpackung die Ware auf dem Rückweg. Geeignet sind unter anderem:

Hohlräume lassen sich mit Polster- und Füllmaterial ausgleichen, damit die Ware wenig Spiel hat. Zum Verschließen eignet sich passendes Klebeband.

Versandverpackungen ansehen

Vorteile und Nachteile kostenloser Retouren

Vorteile

Für Kundinnen und Kunden senkt der kostenfreie Rückversand das Risiko beim Online-Kauf und erleichtert die Bestellung von Artikeln, die vorab nicht anprobiert werden können. Händler steigern damit Kaufbereitschaft und Kundenbindung, da viele Kunden bevorzugt bei Shops mit kostenloser Retoure erneut bestellen.

Einschränkungen

Jede Rücksendung verursacht Kosten für Versand, Bearbeitung und Prüfung der Ware und belastet die Marge des Händlers. Hohe Retourenquoten, vor allem im Mode-Bereich, verursachen zudem einen zusätzlichen Transport- und Verpackungsaufwand.

Häufige Fragen zu kostenlosen Retouren

Kostenfrei ist eine Rücksendung, wenn der Händler das Rückporto freiwillig übernimmt, wenn er nicht ordnungsgemäß über die Kostentragung belehrt hat oder wenn die Ware mangelhaft beziehungsweise falsch geliefert wurde. In den übrigen Fällen können Shops die Rücksendekosten dem Kunden auferlegen.
Eine gesetzliche Pflicht zur Übernahme der Rücksendekosten besteht für Online-Händler nicht. Seit Juni 2014 dürfen sie die Kosten der Rücksendung auf den Kunden umlegen, sofern sie vorab in der Widerrufsbelehrung darüber informieren.
Beim Online-Kauf beträgt die Widerrufsfrist in der Regel 14 Tage ab Erhalt der Ware. Viele Händler gewähren freiwillig längere Rückgabefristen von 30 oder 100 Tagen.
Artikel werden in der Regel ungetragen, unbenutzt und in der Originalverpackung zurückgesendet. Für einen Wertverlust durch eine über die Prüfung hinausgehende Nutzung kann der Händler Ersatz verlangen.
Bei einem Sachmangel oder einer Falschlieferung trägt der Verkäufer die Kosten der Rücksendung im Rahmen der Gewährleistung. Diese Regelung gilt unabhängig davon, ob der Shop sonst kostenlose Retouren anbietet.